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30 Jahre S-Bahn-Tunnel2022-06-08T16:35:47+02:00


30 Jahre S-Bahn-Tunnel

Ohne den S-Bahn-Tunnel können wir uns unsere Gemeinde heute gar nicht vorstellen. Der Weg dorthin war alles andere als einfach und mit großem persönlichen Engagement vieler Bürgerinnen und Bürger verbunden.

Bereits Anfang der 1960er-Jahre wurde über eine Verlegung des stadtnahen Flughafens München-Riem diskutiert. Im August 1969 fiel die Entscheidung für den Standort im Erdinger Moos. Parallel dazu fiel der Beschluss, die seit 1909 bestehende Strecke der Lokalbahn vom Ostbahnhof nach Ismaning als S-Bahn bis zum neuen Flughafen zu verlängern. Obwohl dies die Zerschneidung des Ortes und die Zerstörung gewachsener Strukturen im nördlichen Ortsbereich bedeutet hätte, dachte zu dieser Zeit niemand daran, die Bahnstrecke innerorts in einem Tunnel verlaufen zu lassen.

Als ersten Schritt wurde anlässlich der Olympiade 1972 der Zugverkehr nach Ismaning in das neue Münchner S-Bahn-Netz integriert. Da der MVV anfangs jedoch nicht die nötige Anzahl an S-Bahn-Triebwagen zur Verfügung stellen konnte, fuhren zunächst weiterhin Nahverkehrszüge. Die „S 3“ startete schließlich am 1. Oktober 1973, mit Ismaning als Endstation.

Die Planungen für den Bau des Flughafens München II waren zwischenzeitlich ins Stocken geraten; erst Mitte 1985 wurden sie wieder aufgenommen. Aufgrund der langen Unterbrechung musste die Bundesbahn ein neues Planfeststellungsverfahren für den Aus- und Neubau der Flughafenlinie durchführen.

Ismaning war gewachsen; auch östlich der Bahntrasse waren neue Wohn- und Gewerbegebiete entstanden. Der bislang ebenerdig geplante Ausbau der Bahnstrecke hätte den Ort zerschnitten und erhebliche Lärm- und Verkehrsbelastungen zur Folge gehabt.

Engagierte Ismaninger Bürgerinnen und Bürger gründeten daher Ende 1985 eine Bürgergemeinschaft, um den Bau eines Tunnels für die neue Bahnstrecke durchzusetzen. Bei einer Unterschriftenaktion sprachen sich mehr als 6.100 Ismaningerinnen und Ismaninger (zwei Drittel der Wahlberechtigten) für den Tunnelbau aus.

Im Juli 1986 wurde die „Ismaninger Bürgergemeinschaft für S-Bahntunnel e.V.“ beim Amtsgericht München in das Vereinsregister eingetragen. In der Folgezeit setzt sich die Bürgergemeinschaft vehement für eine unterirdische Streckenführung im Ismaninger Ortsgebiet ein. Zwischen Bundesbahn, Landesregierung, Gemeinderat und Bürgergemeinschaft wurde um jeden Meter der neuen S-Bahn-Strecke gerungen. Zur Diskussion standen neben der immer noch drohenden ebenerdigen Ausführung kurze und lange Gräben, mit und ohne „Deckel“, sowie Tunnelvarianten von unterschiedlicher Länge.

Drei Jahre nach Gründung der Bürgergemeinschaft war es endlich geschafft: Am 28. August 1989 begannen die Bauarbeiten für die Tunnelanlage. Durch erheblichen Mitteleinsatz der Gemeinde – zusammen mit dem Freistaat Bayern und der Bahn – konnte die „Kombinierte Tunnel-Grabenlösung“ realisiert werden.

Mit Hochdruck wurde gearbeitet, denn bereits am 11. September 1989 war das Richtfest für das neue Terminal am Flughafen im Erdinger Moos.

Der Tunnelrohbau konnte im Juni 1991 erstmals besichtigt werden. Zur feierlichen offiziellen Einweihung am 7. März 1992 war einschließlich der transparenten Ismaninger Bahnhofsanlage alles fertiggestellt. Als am 16. Mai 1992 der neue Großflughafen München seinen Betrieb aufnahm, war dies auch der Start für die neue S-Bahn-Flughafenlinie S 8 mit ihren blauen Wagons.

Mit der Errichtung und Einweihung eines Trinkbrunnens am Bahnhof im Dezember 1994 schloss die Bürgergemeinschaft ihre erfolgreiche Tätigkeit ab und löste sich auf. Zu guter Letzt konnte im Sommer 1995 der Grünzug eingeweiht werden, der auf einer Länge von über zwei Kilometern über dem S-Bahn-Tunnel verläuft.

v.l.n.r. Alfons Ostermaier, Dr. Theodor Baumann, Michael Sedlmair und Franz Bloch

Alfons Ostermaier, der Initiator, Gründer und langjährige Sprecher der „Bürgergemeinschaft für S-Bahntunnel e.V.“ starb 2014. Die Gemeinde Ismaning würdigte seine Verdienste, indem im Mai 2015 der Hauptweg im Grünzug auf dem S-Bahn-Tunnel nach ihm benannt wurde.

Ihren erfolgreichen Kampf um den Tunnel hat die Bürgergemeinschaft in ihrer „Tunnelstory von Ismaning“ dokumentiert, die neben einer Broschur zum Werdegang und zum Team der engagierten Ismaninger von Theo Baumann, der Kurzgeschichte von Reiner Knäusl und der Broschüre zum Grünzug auf dem S-Bahntunnel zum Nachlesen verlinkt sind. Druckexemplare erhalten Sie im Schlossmuseum Ismaning; die Tunnelstory ist vergriffen, sie kann in der Gemeindebibliothek ausgeliehen werden.

Zum 30-jährigen Jubiläum wurde die Ausstellung „Wie sich die Ismaninger Bürger ihren S-Bahn-Tunnel erkämpften“ aktualisiert. Zu sehen ist sie am S-Bahnhof Ismaning.

In der Dauerausstellung des Schlossmuseums wird das große Modell des alten Ismaninger Bahnhofs von Friedrich Braun gezeigt.

Informationen zum Grünzug auf dem heutigen S-Bahn-Tunnel haben wir auf der Seite “Grünzug auf dem S-Bahn-Tunnel” zusammengefasst.


Bildergalerie: Der Bahnhof vor dem Tunnel