Die EU soll gerade in der Außenpolitik handlungsfähiger werden, zugleich will sie weiter wachsen. Aber immer noch müssen Entscheidungen in sensiblen Bereichen einstimmig fallen – mit dem Risiko, dass die große Gemeinschaft durch das Veto einzelner ausgebremst wird. Über viele Jahre war das kleine Ungarn dafür ein Musterbeispiel. Seit dem dortigen Regierungswechsel im Frühjahr 2026 mehren sich die Stimmen für ein Ende des Einstimmigkeitsprinzips, speziell in Außen- und Sicherheitsfragen, viele Staaten wollen aber an dem Grundprinzip festhalten. Dahinter steckt mehr als ein Streit über Regularien. Es geht um die Kernfrage der EU: Ist sie vor allem ein Bündnis souveräner Staaten, oder soll sie auch ohne Zustimmung eines Teils ihrer Mitglieder handlungsfähig sein? Der Vortrag zeigt, wie sich die Debatte über die vergangenen Jahre bis heute entwickelt hat.
Werner Bührer war Professor für Zeitgeschichte an der TU München. Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehörten die Europäische Integration, die deutsch-französischen Wirtschaftsbeziehungen und die Geschichte der Bundesrepublik Deutschland.
Kursnr.: E1058K

