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Erzählreihe: Die Geschichte der Ismaninger Straßennamen und die Entwicklung der Hausnummerierung – Kleiner Exkurs: Die Vermessung Bayerns

Viele Gegebenheiten in der noch heute aktuellen Adressierung, wie zum Beispiel die Einführung der straßenweisen Hausnummerierung – gültig auch für Ismaning –
verdanken wir unseren Nachbarn, den Franzosen. Auch in diesem Beitrag der Erzählreihe wird der französische Innovationsgeist, gepaart mit dem bayerischen
Zukunftsdenken deutlich.

Bayerische Vermessungsverwaltung

1799 trat der bayerische Kurfürst Max Joseph, später König Max I. Joseph von Bayern und Vater unserer späteren Schlossbesitzerin Auguste Amalie (geborene Prinzessin von Bayern, Herzogin von Leuchtenberg und Fürstin von Eichstätt) das Amt der Regierungsführung an. Sein oberster Minister wurde Graf Maximilian Montgelas. Beide
waren von den Bewegungen der Aufklärung und vom Fortschritt Frankreichs sehr begeistert und pflegen seither politische und kulturelle Beziehungen zum französischen
Staat, obwohl Bayern offiziell mit Österreich verbündetet war.

Als das von Napoleon Bonaparte geführte Frankreich im Dezember 1800 in der Schlacht bei Hohenlinden Österreich besiegte, wurde wenig später auch das
Kurfürstentum Bayern mit französischen Truppen besetzt. Aufgrund der profranzösischen Einstellung der bayerischen Regierung kam es trotz militärischer
Präsenz zu keinen feindlichen Auseinandersetzungen. Im Gegenteil, es entstand unter anderem ein beeindruckendes Vermessungsprojekt, welches unter Mitwirkung beider
Nationen, Bayern zum ersten exakt vermessenden Land Europas werden ließ.

Zur damaligen Zeit bestand das Kurfürstentum Bayern aus einem Konglomerat von 70 Territorien; ein regelrechter Fleckerlteppich aus Landstrichen, Traditionen, Rechten und
Ordnungen. Minister Montgelas verfolgte das Ziel, ein neues Staatswesen mit zahlreichen rechtlichen und territorialen Veränderungen zu schaffen. Alle Gebiete
wurden in ein gemeinsames Staatsgebilde integriert, um das Land regierbar zu machen.
Das neue Bayern auf dem Weg zu einem Verfassungsstaat, das Anfang des 19. Jahrhunderts noch hoch verschuldet war, benötigte vor allem eines: Kapital. Eine
Erhebung der Grund- und Gebäudesteuer sollte das dringend benötigte Geld beschaffen. Grundvoraussetzung für die Einführung dieser Steuern war die genaue
Vermessung des Landes und der Grundstücke (Katastervermessung), da sich die Höhe der Steuern unter anderem nach der Größe des Grundes und des Anwesens richtete.

Auch die Franzosen forderten genaue Karten des neu eroberten Territoriums; allerdings weniger aus privatrechtlichen und finanzpolitischen Gründen, sondern vielmehr für
militärische, verkehrspolitische und statistische Zwecke. Da es keine genaue geographische Karte gab, wurde die Neuvermessung Bayerns angeordnet. Zur Bewältigung dieser Aufgabe wurde am 19. Juni 1801 in München das „Topographische Bureau“, Vorläufer des heutigen Bayerischen Landesvermessungsamtes, gegründet.
Bayerische und französische Ingenieure arbeiten gemeinsam an der Vermessung des Landes mittels eines Dreiecknetzes, welches das gesamte Land überspannte.

Essentiell dafür war die Schaffung einer Basislinie, die vor der Säkularisation von Oberföhring (heute Unterföhring) nach Aufkirchen im Erdinger Moos verlief und dabei
den Goldachhof in Ismaning durchquerte. F. de Daumiller (1799-1879), Zeichner des Topographischen Bureaus, hielt auf seinem Aquarell die Arbeit der Vermesser fest, wie
sie mittels präparierter Tannenholzlatten die Basislinie verlegten. Im Vordergrund der Zeichnung erkennt man die Goldach und die nassen Wiesen.

Wenige Jahre später, 1808, wurde vom König Max I. Joseph von Bayern die Steuervermessungskommission gegründet, die mit der genauen Vermessung der
Grundstücksflächen beauftragt wurde. Die Landvermesser nutzten die Ergebnisse des Topographischen Bureaus und die Methode der Messtischaufnahme. 1867
veröffentlichte das Topographische Bureau sogar den ersten Topographischen Atlas des Königreichs Bayern. So kam es, dass in unmittelbarer Nähe Ismanings das
bayerische Vermessungsnetz seinen Anfang nahm, das noch heute dem Selbstverständnis zugrunde liegt, dass für jedes Grundstück ein Plan existiert.

Mehr Informationen zur Vermessung Bayerns unter: ismaning.de/gemeinde-rathaus/geschichte/geschichte-der-ismaninger-strassennamen/

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