Geschichte

Geschichte 2017-04-12T10:37:09+00:00

Die Ortsgeschichte von Ismaning

Am rechten Isarufer, im Norden des heutigen Landkreises München, liegt die Gemeinde Ismaning. Mitten im Ort befindet sich das Schloss, umgeben von einem sieben Hektar großen Park. Dorf und Schlossanlage können auf eine lange und abwechslungsreiche Geschichte zurückblicken. Über 1.000 Jahre war ihr Schicksal eng an die Geschicke des Hochstifts Freising geknüpft. Das Ismaninger Wappen mit dem rot gekrönten Mohren – heraldisches Symbol des Freisinger Bischofs – unterstreicht diese historische Verbindung.

Die Isar und ihre Zuflüsse ziehen die Menschen an…

Frühe Besiedelung

Historische Ortseinfahrt Aschheimerstraße

Historische Ortseinfahrt Aschheimerstraße

Die Gegend um Ismaning ist ein historisches Siedlungsgebiet. Einige Relikte früherer Bewohner wurden im Ismaninger Boden gefunden, weitere Spuren der Vergangenheit ruhen vermutlich noch immer unter der Erde.
Die ersten Zeugnisse menschlichen Lebens in der Ismaninger Flur sind mehr als 5.000 Jahre alt. Die Lebensbedingungen hier waren günstig: die Isar und ihre Zuflüsse lieferten sauberes, fischreiches Wasser, die Auwälder boten Bau- und Brennmaterial, Wildbret, Früchte und Beeren, aber auch Schutz vor vielfachen Gefahren. Die Kraft des Wassers lieferte Energie.

Zu Beginn des 6. Jahrhunderts entstand aus verschiedenen germanischen Stämmen und der keltisch-römischen Bevölkerung das Volk der Bajuwaren. Nicht nur der Ortsname mit der für die Bajuwarenzeit typischen „–ing“-Endung deutet für Ismaning auf eine Ansiedelung seit dieser Zeit hin. Bodenfunde und Reihengräber, die zwischen der heutigen Dorf- und Hauptstraße freigelegt und dokumentiert wurden, belegen ebenfalls die Existenz einer bajuwarischen Dorfsiedlung in Ismaning zur Zeit der Agilolfinger.

Was die Rückgabe von „Unfreien“ mit Ismaning zu tun hat, lesen Sie hier…

Wie alles begann – Ein Vertrag aus dem Jahr 809

Traditionsnotiz

Traditionsnotiz

Die erste schriftliche Erwähnung des Ortes „isamanninga“ ist durch eine Freisinger „Traditionsnotiz“ überliefert, einem kurzen Eintrag im bischöflichen Protokollbuch, in dem das Kloster seine Schenkungen, Privilegien und Verträge verzeichnete. Am 23. Februar des Jahres 809 trafen sich hier Bischof Atto von Freising und Bischof Erachar, um vor zwölf Zeugen ein Abkommen über die Rückgabe von „Unfreien“ (Leibeigenen) zu treffen.

Übereinkunft zwischen den Bischöfen Atto und Erarchar. Dies sind die Zeugen, die gesehen und gehört haben, dass an dem Ort, der Ismaning (Isamanninga) genannt wird, Bischof Erarchar die Unfreien, die auf unrechtmäßige Weise in Purfing (Purolfinga) in fremden Besitz gelangt waren, in die Hand von Bischof Atto zurückgegeben hat. Dies geschah am 23. Februar 809.
Dies bezeugen: Ellanperht, Kaganhart, Einhart, Hrocholf, Ratolt, Soanperht, Helut, Lantfrid, Alurih, Memmo, Adalhart, Odalger.

Der Vertragsgegenstand ist nicht ungewöhnlich: Tausch und Handel von Leibeigenen war eine zu dieser Zeit übliche Vorgehensweise. Durch das „Lex Baiuwariorum“ – das erste Bayerische Gesetzbuch, entstanden zwischen den Jahren 600 und 800 – zwingend vorgeschrieben war auch die Anwesenheit von Zeugen, welche die Kunde vom Vertragsabschluss verbreiten und im Streitfall die Rechtmäßigkeit des Sachverhalts bestätigen konnten. Da außerhalb von Klöstern kaum jemand lesen und schreiben konnte, war die mündliche Wiedergabe unumgänglich. Die hohe Anzahl der Zeugen weist allerdings darauf hin, dass die Gespräche in Ismaning von größter Bedeutung waren.

Offenbar hatten die Verhandlungen mit Ismaning selbst nichts zu tun. Doch die Tatsache, dass der Ort als Treffpunkt gewählt und namentlich genannt wurde, lässt vermuten, dass es hier bereits ein repräsentatives Gebäude in Freisinger Besitz gab, umgeben von einer aus mehreren Streuhöfen bestehenden Ansiedlung.

Der spätere deutsche Kaiser Ludwig der Bayer verkauft einige seiner Ortschaften – was ihm das Wert ist, lesen Sie hier…

Die Grafschaft auf dem Yserrain

Grafschaft Ismaning

Grafschaft Ismaning

Die erste Erwähnung bleibt kein Einzelfall. In den folgenden Jahrhunderten wird Ismaning in den bischöflichen Protokollbüchern mehrfach genannt. Zunächst gab es nur einzelne Höfe, die als Lehen des Bischofs bewirtschaftet wurden. Doch mit der Erhebung zum Hochstift 1294 entstand ein eigenes Herrschaftsgebiet, in dem der Bischof nun auch die Landeshoheit ausübte. Aus einer Urkunde des Jahres 1305 geht hervor, dass der Bischof Lehnsherr von 17 Bauernhöfen, zwei Mühlen und einem Gasthaus war; bereits seit Ende des 13. Jahrhunderts galt für Ismaning auch die Freisinger Gerichtsbarkeit.

Damit wurde die Bindung des Dorfes an das Bistum immer enger. Schließlich verkaufte Kaiser Ludwig der Bayer im Jahre 1319 dem Freisinger Hochstift die Herrschaft über die fünf Ortschaften Ismaning, Unter- und Oberföhring, Englschalking und Daglfing. Diese bildeten nun die „Grafschaft auf dem Yserrain“, die später als „Reichsgrafschaft Ismaning“ alle Verwaltungsrechte besaß. Der jeweilige Bischof vereinte von Freising aus als Fürstbischof kirchliche und weltliche Macht, im Wappen bildlich dargestellt durch Degen, Krummstab und Mitra.

Ein Landsitz des Freisinger Domherrengeschlechts der Haushaimer wird unter dem Freisinger Fürstbischof Phillip zum Renaissanceschloss ausgebaut…

Die Anfänge der Ismaninger Schlossanlage

altes Schloss - Kupferstich Michael Wening 1701

altes Schloss – Kupferstich Michael Wening 1701

Im März 1425 gab Bischof Nikodemus von Freising seinen Ismaninger Hof am Seebach, „hinter der Kirche und der Mühle“, der Familie Haushaimer als Lehen. Anfang des 16. Jahrhunderts begann Jacob Haushaimer, Domherr zu Freising, hier mit dem Bau eines herrschaftlichen Landsitzes. Er starb jedoch, bevor der Bau vollendet werden konnte. Von den Erben übernahm der Freisinger Bischof Philipp die Bauruine und ließ sie um 1530 zu einem Renaissance-Schloss ausbauen. Von nun an nutzen die Freisinger Fürstbischöfe Ismaning als Sommerresidenz und Verwaltungsmittelpunkt der Grafschaft. Ein Pfleger vertrat die bischöflichen Hoheitsrechte vor Ort. Er war der Dorfvorsteher und hatte als oberster Beamter der Grafschaft dafür zu sorgen, dass Steuern, Abgaben und Frondienste geleistet wurden.

Zur Schlossanlage gehörten Nutz- und Ziergärten, der Auwald bot ein ideales Jagdrevier. Doch nicht nur als Lustschloss war Ismaning bis zum Ende des 18. Jahrhunderts bei den Fürstbischöfen beliebt. Auf halber Strecke zwischen Freising und dem kurbayerischen München gelegen, war das Schloss auch ein günstiger Ort für politische Verhandlungen.

Ein Vertrag von 1509 verpflichtete die Ismaninger Bauern zur Abgabe des „Bischofskrauts“…

Das Bischofskraut

Krautwagen

Krautwagen

Laut einem Vertrag von 1509 mussten die Ismaninger über den üblichen „Zehent“ hinaus jährlich auch 2.500 Krautköpfe an den Bischofssitz in Freising liefern. Bis zur Säkularisation fuhren von da an die Bauern jedes Jahr mit dem „schenst und sauberst ausklaubten“ Kraut über die holprige Straße in die Domstadt. Hier wurden sie auf bischöfliche Rechnung verköstigt und luden auf dem Rückweg Bier für die Ismaninger „Tafern“. In der Freisinger Hofküche aber wurde das abgelieferte Gemüse alsbald zu Sauerkraut verarbeitet – Grundnahrungsmittel der einfachen wie der herrschaftlichen Küche.

Vorratshaltung war damals lebensnotwendig. Nur wenige Techniken der Nahrungsmittelkonservierung standen vor der Industrialisierung zur Verfügung: Fleisch musste für die Vorratshaltung eingesalzen oder geräuchert, Kräuter und Obst getrocknet, Gemüse in Erdmieten gelagert werden. Kraut wurde eingesalzen und durch Milchsäuregärung zu Sauerkraut. In allen Haushalten stand es so in Fässern in der Vorratskammer und sicherte neben Milch- und Getreideprodukten die Ernährung und Vitaminversorgung der Bevölkerung. Wie Speisezettel aus dieser Zeit belegen, wurde Sauerkraut nicht nur im Winter, sondern ganzjährig nahezu täglich gegessen. Kleine Krautgärten gab es in allen Städten und Dörfern, doch auf Ismaninger Flur wuchs das in Nährstoff- und Wasserversorgung anspruchsvolle Gemüse wegen des idealen Bodens in größerer Menge und bester Qualität. Im Lauf der Zeit entstand durch Auslese eine lokale Sorte, das „Ismaninger“: große, oft flache Köpfe von heller Farbe und besonders gutem, mildem Geschmack.

Als Folge des 30-jährigen Kriegs und der Pest verliert Ismaning die Hälfte seiner Einwohner. Der Neubau von Kirche und Schloss wird zum Start in ein neues Zeitalter…

Das Barockschloss

Den Verwüstungen des 30-jährigen Krieges und der nachfolgenden Pest fiel bis Mitte des 17. Jahrhunderts fast die Hälfte der Bewohner zum Opfer. Zeichen eines Neubeginns war 1678 der Bau der barocken Johanniskirche. Und auch in der Schlossanlage begann eine neue Epoche: Unter Fürstbischof Johann Franz von Eckher wurde das Renaissance-Schloss abgerissen. Zwischen 1716 und 1722 erfolgt der Neubau im Stil des beginnenden Rokokos. Den Auftrag für Entwurf und Bauaufsicht erhielt der Freisinger Hofmaurermeister Dominikus Glasl, bei der Innenausstattung wirkte Johann Baptist Zimmermann mit.

Besonders prachtvoll entfaltete sich das höfische Lebens unter Eckhers Nachfolger, dem Fürstbischof Johann Theodor. Dieser ließ den Hofgarten erweitern und schmückte den Park mit weiteren Gebäuden, von denen heute noch der nach Plänen von François Cuvilliés errichtete Pavillon erhalten ist.

Von der Barockanlage ist nur eine einzige Darstellung – das „Hofkonzert in Ismaning“ – bekannt. Auch von der Ausstattung haben sich nur Fragmente erhalten. Allein die zeitgenössischen Isarpläne ermöglichen es, die Anordnung der Gebäude nachzuvollziehen.

Johann Theodor hielt sich gern in Ismaning auf. In der Schlossanlage fanden prunkvolle Feste und Jagdgesellschaften statt. In den großen Stallungen am heutigen Kirchplatz konnten über 100 Pferde eingestellt werden. Der aufwändige Lebensstil Johann Theodors führte schließlich zu einer hohen Verschuldung des Hochstifts und zwang die nachfolgenden Fürstbischöfe zur Sparsamkeit. Bis zur Säkularisation wurde die Schlossanlage in Ismaning kaum mehr genutzt. Das Schloss, das im Winter 1800/1801 nach der Schlacht von Hohenlinden unter der Einquartierung napoleonischen Truppen gelitten hatte, blieb vorerst unbewohnt.

Im Zuge der Säkularisation endet die Regentschaft der Freisinger Bischöfe. Was das für Schloss und Dorf zu bedeuten hatte, lesen Sie hier…

Ismaning wird bayerisch

Torfbahnhof

Torfbahnhof

Mit der Säkularisation 1802/03 endete die Freisinger Ära. Das Gebiet des Hochstifts wurde dem Herzogtum Bayern unterstellt, Ismaning gehörte ab September 1803 zum Landgericht München. Auf der Grundlage des Edikts von 1808 wandelte sich die alte Dorfgemeinschaft in eine moderne politische Gemeinde.

Eine eigene Verwaltung mit einem „Gemeindevorsteher“ – nach 1870 Bürgermeister genannt – garantierte die neue Selbständigkeit Ismanings. Ab 1811 wurde er alle drei Jahre von jenen männlichen Gemeindebürgern gewählt, die Grundsteuer zahlten.

Die neue politische Ordnung änderte nur wenig an der Zweiteilung des Ortes. Weiterhin blieb das Schloss eine Welt für sich, die den meisten Einwohnern Ismanings verschlossen blieb. Nur für kurze Zeit scheinen die feudalen Strukturen etwas aufzubrechen: Von 1803 bis 1815 war Ferdinand Freiherr von Hartmann, ein Mitarbeiter von Graf Montgelas, Besitzer der Anlage. Hartmann war mit dessen Plänen zur Agrarreform vertraut und versuchte, einiges davon in Ismaning zu verwirklichen. Aus dem fürstbischöflichen Jagd- und Lustschloss sollte ein rentabler landwirtschaftlicher Betrieb werden. 1807 wurde in Hartmanns Auftrag der bedeutende Gartenarchitekt Friedrich Ludwig von Sckell in Ismaning tätig. Er gestaltete den barocken Park in einen „Englischen Garten“ um. Hartmann ließ die alten Nebengebäude abreißen und neue wie Kutscherbau und Gärtnerhaus errichten. Auch mit dem Bau der großen Schlossökonomie wurde begonnen. Von ihr ist heute nur noch das Arbeiterwohnhaus, der so genannte Torfbahnhof an der Aschheimer Straße erhalten.

Hartmann beantragte Konzessionen für Fischerei, Bierbrauerei, Branntweinbrennerei, Essigsiederei und Kalkbrennerei, konnte aber nur wenig realisieren. Obwohl er ab 1807 die Eheleute Schindler zu Miteigentümern machte, scheiterte er letztlich an Geldmangel. 1816 stand das Landgut Ismaning wieder zum Verkauf.

Auguste Amalie, die älteste Tochter von König Max I. Joseph heiratet 1806 Eugène de Beauharnais, den Stiefsohn Napoleons. Was das für Ismaning bedeutete erfahren Sie hier…

Franzosen im Schloss

Auguste Amalie von Leuchtenberg. Litho nach Stieler

Auguste Amalie von Leuchtenberg. Litho nach Stieler

Bis ins 20. Jahrhundert hinein war die Heiratspolitik das klassische Mittel des Hochadels zur Sicherung von Dynastie und Macht. Auch Napoleon nutzte sie, um seine Bündnisse abzusichern und seiner Herrschaft zusätzliche Legitimität zu verleihen. Die Vermählung der siebzehnjährigen Auguste Amalie, Tochter des bayerischen Kurfürsten Max Joseph, mit Napoleons Stief- und Adoptivsohn Eugène de Beauharnais war der Preis für ein dauerhaftes Bündnis mit Frankreich und die Erhebung Bayerns zum Königreich.

Der erzwungenen Eheschließung folgte eine harmonische Ehe. Der Traum vom eigenen Königreich erfüllte sich allerdings nicht. In Italien lebte das junge Ehepaar bis zum April 1814 nur als Vize-König und -Königin von Napoleons Gnaden. Nach dem Sturz des Kaisers kehrten sie mit ihren Kindern in Augustes Heimat zurück. Um eine standesgemäße Versorgung der Familie zu sichern, ernannte König Max I. Joseph seinen Schwiegersohn zum Herzog von Leuchtenberg und Fürst von Eichstätt.

Im Oktober 1816 erwarb Eugène die Schlossanlage in Ismaning. Erste Baupläne von Leo von Klenze lassen vermuten, dass anfangs geplant war, den Hauptwohnsitz hierher zu verlegen. Schnell entschloss man sich jedoch, Ismaning nur als Sommerresidenz und Landgut zu nutzen. Der landwirtschaftliche Betrieb in Ismaning versorgte nun das Stadtpalais am Odeonsplatz mit Obst, Gemüse und Blumen.

Für Auguste Amalie aber wurde Ismaning zum geliebten Refugium, in dem sie vor allem nach dem Tode Eugènes Ruhe und Abstand zum Münchner Hof fand.

Nach Plänen von Klenzes Mitarbeiter Jean Baptiste Metivier – ab 1836 Hofarchitekt der Familie – wurde das Schloss klassizistisch umgestalten. Die beiden Prunksäle im Schloss, mit Wanddekorationen im Stil der pompejanischen Malerei und den dazugehörigen Möbeln ausgestaltet, sind bis heute unverändert erhalten geblieben. Die Auswahl der Motive und ihre Einbindung in die dekorative Gestaltung des Raums zeugen von großer Kenntnis der antiken Wandmalerei.

Bis zum Tode von Augustes Sohn Maximilian 1853 blieb das Schloss im Besitz der Familie von Leuchtenberg.

Immer wieder bekommt das Landgut Ismaning einen neuen Eigentümer…

Schlossbesitzer der Gründerzeit

1853 Schloss Ismaning. Roter Saal. Foto Wilfried Petzi

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wechselte das Landgut Ismaning mit seinem Schloss mehrmals den Besitzer. 1854 erwarb Carl Freiherr von Bethmann die Anlage. Bethmann stammte aus einer Frankfurter Bankiersfamilie. Obwohl er sich nur selten in Ismaning aufhielt, sorgte er verantwortungsvoll für Dorf und Landgut. Zusammen mit dem Landwirt Nikolaus Zacherl gründete Bethmann 1869 die Freiwillige Feuerwehr. Von 1872 bis 1894 war Richard Graf von Walderdorff Besitzer des Schlosses und des dazugehörigen landwirtschaftlichen Betriebes.

Mit Johann Michael Ritter von Poschinger bekam das Landgut eine neue Ausrichtung. Für den Glasfabrikanten aus dem Bayerischen Wald, von 1894 bis 1899 Besitzer der Anlage, waren die Erträge aus der Landwirtschaft nur von untergeordneter Bedeutung. Sein Interesse galt dem Torfabbau. Er ließ eine Transportbahn ins Moos bauen, um den Torf fortschrittlich vermarkten zu können. Durch die Aufteilung der Moosgründe konnten die Ismaninger Bauern ebenfalls vom Torfabbau profitieren. 1899 verkaufte Poschinger das Schloss mit allem Grundbesitz an die Stadt München.

Als auf dem Gelände der alten Hammerschmiede eine Papierfabrik gebaut wird, beginnt auch in Ismaning das Industriezeitalter…

Die Papierfabrik

1859 Papierfabrik

1859 gründeten die Unternehmer Lizowsky und Bullinger eine Fabrik für Verpackungspapiere, so genannte „Emballagen“, aus den Abfallprodukten Stroh, Altpapier und Lumpen. Mit ihr entsteht der erste Ismaninger Industriebetrieb. 1919 wurde die Fabrik Teil der „Vereinigten Papierwarenfabriken“ (VP) und für lange Zeit ein wichtiger Arbeitgeber im Ort. Die Leitung der Ismaninger Papierfabrik übernahm Emil Kurz, ein Sohn des Gründers der VP. Er zieht mit seiner Frau nach Ismaning und wird zu einem engagierten Bürger – posthum auch Ehrenbürger – der Gemeinde. Immer wieder wurde der Betrieb in den folgenden Jahrzehnten modernisiert. Der 1936 erbaute Schornstein – Sinnbild für Fortschritt und Prosperität – überragt lange Zeit das untere Dorf, wo viele Fabrikarbeiter wohnten.

Steigende Umweltauflagen und der Siegeszug der Kunststoffverpackung führen schließlich 1971 zur Stilllegung des Ismaninger Werks. Die Anlagen wurde nach Feuchtwangen verlegt, wo noch heute Verpackungspapiere hergestellt werden.

Schon vor dem Bau der Lokalbahn gab es in Ismaning eine private Bahnstrecke…

1896 Torfbahn Lok 1

Ende des 19. Jahrhunderts entwickelte sich der getrocknete Torf zu einem bevorzugten Brennmaterial. Der Bedarf Münchens war groß, die Moosflächen lagen direkt vor den Toren der Stadt und versprachen einen guten Gewinn. Daher kaufte ab 1850 Johann Nepomuk Zenger, ein Kaufmann aus Württemberg, Grundstücke im Erdinger Moos und gründete zur Torfgewinnung das Gut Zengermoos. Seine Erben verkauften das Gut 1891 an Johann Michael Ritter von Poschinger aus Frauenau im Bayerischen Wald. Dieser plante, den Torf auch als Brennmaterial für seine Glasöfen einzusetzen. Doch Poschingers „Stich- und Press-Torfwerk“ fehlte zunächst die passende Absatzmöglichkeit. Als 1894 das Landgut Ismaning zum Verkauf angeboten wird, erwarb Poschinger auch dieses und richtete hier eine Verkaufsstelle ein.

Um den Transport zum Umschlagplatz im Dorf zu erleichtern, ließ er 1896 eine private Schmalspurbahn mit 769 mm Spurweite ins Moos bauen. Die Gleisanlage hatte einschließlich aller Nebenstrecken eine Länge von 25 Kilometern. Eine Lokomotive der Firma Krauss zog Loren mit Holzaufbau. 1902 kam eine zweite Lok der Firma Maffei dazu. Für die schnelle Personenbeförderung gab es eine Draisine.

Der Bau der Torfbahn geschah vermutlich in der Hoffnung auf einen baldigen Anschluss an die staatliche Bahntrasse. Doch nicht nur der Bau der Lokalbahn verzögerte sich, auch die Gewinne aus dem Torfabbau fielen nicht so hoch aus, wie erhofft. Poschinger zog sich aus dem Geschäft zurück und verkaufte das Landgut Ismaning an die Stadt München.

In Ismaning werden die ersten elektrischen Straßenlampen aufgestellt, der Seebach liefert die nötige Energie…

Energie aus dem Seebach

1899 E-Werk

Wasserkraft wird in Ismaning seit jeher aus den Isarzuflüssen gewonnen, nicht aus der Isar selbst. Seit 1158 gab es beim heutigen Gasthof eine Mühle, die den Seebach zur Energiegewinnung nutzte. Im 17. Jahrhundert kam eine zweite Mühle auf dem Gelände der heutigen Seidl-Mühle hinzu. Auch die Kraftwerke der Papierfabrik bezogen ihre Energie aus dem Seebach.

1898 gründeten 10 Ismaninger Bürger das „Consortium zur Errichtung einer elektrischen Centrale“. Das königliche Bezirksamt München I und der Gemeinderat erteilten die Genehmigung für die Erbauung und den Betrieb eines Turbinenwerkes am Seebach beim Gasthof zur Mühle. Zusätzlich verfügten die Gemeinderäte die Einführung der elektrischen Ortsbeleuchtung durch die Installation von zunächst 22 öffentlichen Straßenlampen im Ort. 1899 geht aus dem Konsortium das „Elektrizitätswerk Ismaning GmbH“ hervor.

1901 berichten die Münchner Neueste Nachrichten über die Gemeinde:
„Ismaning selbst ist ein lachender, mit sauberen, zwischen reichem Baumschmuck und farbenprächtigen Gärten dicht gelegenen Anwesen geschmückter Ort. Ein krystallklarer Bach trachtet eilends der Isar zu und gibt den Motor für das opulent angelegte „Ismaninger Elektrizitätswerk“…

Der im Moos gelegene Goldachhof hatte für die eigene Stromversorgung ab 1906 ein Wasserkraftwerk an der Goldach.

Die „reißende Isar“ – Isara rapidus – entstand vor etwa 10.000 Jahren aus dem Schmelzwasser der letzten Eiszeit. Immer wieder stellte der Fluss für seine Anwohner eine Gefahr dar…

Gedenkstein für die Opfer des Unglücks vom 21. Mai 1907

1907. Ismaning. Isar. Foto Roswitha Bayer 2014

Etwa 9 Flusskilometer grenzen an das Ismaninger Gemeindegebiet. Von 1319 bis 1802 bildete die Isar hier die westliche Landesgrenze zwischen dem Hochstift Freising und Kurbayern. Als Grenzlinie wurde die „Mitte der Isar“ festgelegt. Da diese aber mit jedem Hochwasser ihren Verlauf änderte, war die Isar-Grenze bis zur Säkularisation Ursache ständiger Konflikte zwischen den beiden Herrschaftsgebieten. Doch verdanken wir den Streitigkeiten um Grenzverlauf und Uferschäden zahlreiche Isarkarten, da jede Veränderung des Flusslaufs amtlich dokumentiert werden musste.

Bis Ende des 18. Jahrhunderts konnte die Isar ihren urwüchsigen Charakter behaupten – als Wildfluss mit unzähligen Nebenarmen, ausgedehnten Kiesbänken und einem Hauptarm, der je nach Wasserstand seinen Verlauf änderte und das Leben in den anliegenden Ortschaften prägte.

Die regelmäßig wiederkehrenden Isar-Hochwasser waren ein Naturschauspiel, das immer wieder Menschenleben forderte. Besonders tragisch war das September-Hochwasser 1813, bei dem fast 100 Personen, darunter auch ein Ismaninger, in den Fluten ertranken, als die Münchner Ludwigsbrücke einstürzte. In Ismaning selbst war es allerdings weniger das Wasser der Isar, sondern der Rückstau des Seebachs, der im Dorf Schäden anrichtete.

Die Entwicklung Münchens zur Großstadt gab den Anstoß, die Isar in ein Bett mit starren Ufern zu zwingen. Kurfürst Maximilian Joseph beauftragte 1805 C. F. Wiebeking, den Generaldirektor der Wasser-, Straßen- und Brückenbaubehörde, mit der Regulierung der Isar. Bis 1812 wurde die Isar von der Bogenhausener Brücke in München bis hinein in die südliche Ismaninger Flur begradigt und das Flussbett mit Uferbefestigungen und Dämmen stark eingeengt.

Dies konnte zwar die Hochwassergefahren verringern, doch es veränderte den Fluss und die Isarauen nachhaltig. Die Fließgeschwindigkeit erhöhte sich, neue Strömungsmuster entstanden. Das schnurgerade Flussbett tiefte sich mehrere Meter ein, der Grundwasserspiegel sank. Dennoch wurden die Maßnahmen nach 1900 noch bis Landshut fortgesetzt; nun allerdings durfte die Isar wieder in sanften Schwüngen fließen.

Die „reißende Isar“ war auch für die an der Regulierung beteiligten Arbeiter eine Gefahr. Wiederholt kam es zu Unglücksfällen, nicht nur auf dem Fluss, sondern auch im Uferbereich, denn die Begradigung der Isar beseitigte die Gefahren nicht, sondern sorgte dafür, dass das Wasser nun noch schneller floss. Auch war es nicht mehr möglich, an den steilen Betonwänden, die das Ufer stellenweise befestigten, einen Halt zu finden. All dies wurde vermutlich auch den Opfern eines Floßunglücks zum Verhängnis. An sie erinnert ein Gedenkstein am rechten Hochufer der Isar, auf dem Weg zwischen Ismaning und Fischerhäuser. Das Denkmal ist ein vier Meter hoher Quader aus Muschelkalk, an dem eine Bronzeplatte mit folgender Inschrift angebracht ist:

Am 21. Mai 1907 verunglückten bei einer Bereisung der Isar August Kahn, kgl. Bauamtmann, Anton Spiegel, kgl. Bauamtsassessor, Martin Duxneuner, Schiffer, und Franz Pechler, Schiffer, zum ehrenden Gedächtnis errichtet von der Kgl. Bair. Staatsbauverwaltung

Mit der Eröffnung der Lokalbahnstrecke rückt die Stadt München näher…

Die Lokalbahn

1909 Eröffnung Lokalbahn

Am 5. Juni 1909 wurde die 14,46 km lange Lokalbahnstrecke zwischen dem Münchner Ostbahnhof und Ismaning eröffnet. Aus ihr ging die heutige S-Bahn-Linie zum Münchner Flughafen hervor. Der Ismaninger Bahnhof war Umschlagplatz für Torf, Papier, Ziegel und andere Waren. Die umfangreichen Krauttransporte im Herbst gaben der Bahn ihren Spitznamen: „Krautexpress“. 1927 wurde die Strecke nach Ismaning elektrifiziert. Bis in die 1960er Jahre nutzten nicht nur jährlich bis zu 50.000 Fahrgäste die Bahn, die Strecke war auch eine wichtige Verbindung für den Güterverkehr. Der Gleisanschluss an die AGROB wurde erst 1992, beim Ausbau der Strecke für die S-Bahn, aufgegeben.

1909 Lokalbahn Krautverladung

Die „oide Deandlschui“ hat eine wechselvolle Geschichte…

1912 neues Mädchenschulhaus

Neben dem 1835 eingerichteten (Knaben-)Schulhaus gab es in Ismaning seit 1865 das Kloster der Armen Schulwestern mit zwei Schulräumen. Aufgeteilt in die Klassen 1 bis 4 und 5 bis 7 wurden hier anfangs 70 Mädchen unterrichtet. 1908 kam noch eine dritte Klasse hinzu. Steigenden Schülerzahlen führten dazu, dass die Gemeindeverwaltung am 24. Mai 1909 den Bau einer neuen Mädchenschule beschloss. Als Bauplatz stand ein Teil des Harrer-Anwesens südlich des Klosters zur Verfügung. Baubeginn war am 30. April 1912, die Einweihung der neuen Schule wurde am 28. Dezember 1912 durch Pfarrer Gottfried Ziegler vorgenommen. In dem großzügig geplanten Gebäude mit seiner schlichten Jugendstil-Fassade konnten nun sechs Klassen unterrichtet werden. Die freigewordenen Räume des Klosters wurden als Kindergarten genutzt.

Lt. Bauplan von 1911 war ursprünglich geplant, zu einem späteren Zeitpunkt ein neues Knabenschulhaus im rechten Winkel an die Mädchenschule anzuschließen. Dazu kam es allerdings nicht. In den 1950er Jahren wurden beide Schulen wiederum zu klein. 1957 wurde die neue Knabenschule (heute Mittelschule) eröffnet, im November 1958 folgte die neue Mädchenschule (heute Grundschule am Kirchplatz) mit zunächst acht Klassenräumen. In der nun alten „neuen“ Mädchenschule wurde 1959 ein Kindergarten eingerichtet.

Bis zum Bau der Grundschule an der Camerloherstraße musste in den 1990er Jahren auch die Grundschule aus Platzmangel wieder in einige Räume des alten Gebäudes ausweichen. 1998 wurde das alte Mädchen-Schulhaus an der Dr. Schmitt-Straße aufwendig saniert und der vhs-Ismaning als Gebäude für die Erwachsenenbildung zur Verfügung gestellt. Nachdem diese 2009 in das Kultur- und Bildungszentrum Seidl-Mühle umgezogen ist, wird nochmals umgebaut: Heute ist in der „Deandlschui“ der Hort untergebracht.

Über 50 Jahre lang versorgt er die Gemeinde mit Wasser – heute ist er Heimat von Künstlern und Amateurfunkern.

Wasser und Wellen

1913 Wasserturm

Um 1900 kam es in Ismaning vermehrt zu Krankheiten, die auf die Wasserqualität der hofeigenen Brunnen zurückgeführt wurden. Das Bezirksamt riet daher dringend zu einer gemeindlichen Wasserversorgung. Doch die Planungen zogen sich hin.

Im September 1909 stellte die Gemeinde einen Dringlichkeitsantrag an das „Königlich Bayerische Wasserversorgungsbureau“ – ohne Erfolg. Im Dezember 1911 ergriff der Gemeinderat schließlich die Initiative und beschloss den Bau einer Wasserleitung mit Pumpstation und Wasserturm. Ende 1913 konnte die Anlage in Betrieb gehen. Doch nicht jeder war davon angetan: 60 Hausbesitzer weigerten sich, an die Wasserleitung angeschlossen zu werden. Ein Telefonanschluss dagegen war sehr begehrt. Das erste Telefonbuch von 1895 verzeichnet erstaunlich viele Privatanschlüsse. Das Grundstück für den Wasserturm an der Münchener Straße erwarb die Gemeinde von den Eheleuten Prohaska. Ritter von Poschinger verkaufte die erforderlichen Grundflächen für das Quellgebiet in der Kolomannsau. Hier entstand das „Wasserschlößchen“ als Pumpstation.

Bis Mitte der 60er Jahre reichte die im oberen Teil des Turms gespeicherte Wassermenge aus, um den Ort zu versorgen. Als 1966 das Wasserwerk im Taxet gebaut wurde, blieb der Turm zunächst noch als Reserve in Betrieb. 1982 wurde er endgültig stillgelegt. Heute befinden sich hier ein Künstleratelier und die Räume der Amateurfunker „Ortsverband Ismaning (C32)“.

Die Gemeinde erwirbt die Ismaninger Schlossanlage und öffnet die Pforten für die Öffentlichkeit…

Das Schloss als Rathaus

1919 Schloss Ismaning. Postkarte

Ismaning hatte sich am Beginn des 20. Jahrhunderts zu einem aufstrebenden und selbstbewussten Ort entwickelt. Das Areal mitten im Dorf hätte man nun gern in eigenem Besitz. So kommt es am 15. November 1919 zu einem Tauschvertrag mit der Stadt München: die Gemeinde trat landwirtschaftliche Nutzflächen im Außenbereich des Ortes an München ab und hatte zusätzlich 340.000 Mark zu zahlen. Allein konnte die Gemeindekasse diese Summe allerdings nicht aufbringen, 22 Ismaninger Bauern unterstützten den Kauf durch großzügige Darlehen an die Gemeinde.

Das Kaufinteresse der Gemeinde galt in erster Linie dem Park. Unmittelbar nach Vertragsunterzeichnung machten sich die Ismaninger daran, eine Straße durch den Schlosspark zu bauen. Damit wurde die lang ersehnte direkte Verbindung zwischen Ober- und Unterdorf geschaffen.

Der Park selbst, ehemals von hohen Mauern umgeben und nur den Schlossbewohnern zugänglich, wurde nach 1919 schrittweise für die Allgemeinheit geöffnet. Im Jahre 1934 zog die Gemeindeverwaltung in einige Räume des Schlosses, seit Mitte der 1950er Jahre wird es ausschließlich als Rathaus der Gemeinde Ismaning genutzt. Zusammen mit dem Schlosspark und seinem denkmalgeschützten Gebäudeensemble bildet das Schloss heute das historische Zentrum des Ortes.

Was hat ein gekrönter Mohr in einem modernen Wappen zu suchen? Hier erfahren Sie es…

Das Ismaninger Wappen

1929 Ismaninger Wappen. Original-Entwurf Otto Hupp

Am 22. März 1929 erhielt die Gemeinde Ismaning vom Staatsministerium des Innern die Genehmigung, ein eigenes Wappen zu führen. Wie andere Städte und Gemeinden, die einst zum Hochstift gehörten, übernahm auch Ismaning den gekrönten Mohren aus dem Freisinger Bischofswappen in sein Gemeindewappen. Er steht als Symbol für die lange Verbundenheit beider Orte.

Das Ismaninger Motiv wurde von dem Münchner Heraldiker Otto Hupp entworfen. Der obere Teil des Schildes zeigt einen rot gekleideten gekrönten Mohren, im unteren Teil finden sich drei nebeneinander stehende silberne Rauten. Diese „Wecken“ stammen aus dem Familienwappen des Fürstbischofs Johann Franz von Eckher, der das Ismaninger Barockschloss errichten ließ.

Für das Motiv des gekrönten Mohren gibt es verschiedene Deutungsansätze. Eine mögliche Interpretation bietet das um 1750 in Leipzig erschienene Universal-Lexikon von Johann H. Zedler, in dem es heißt: „Mohren-König, dieses Wappen rühret von den Creutz-Zügen…“. Danach erhielten Kriegsherren, die an einem Kreuzzug teilgenommen hatten, das Privileg einen Mohren im Wappen zu tragen. Dies würde auf Bischof Otto von Freising zutreffen, der 1147/48 ins Heilige Land gezogen war. Ein Ismaninger namens Starfrit hatte ihn begleitet. Nachweisbar ist das gekrönte schwarze Haupt als Bestandteil des Freisinger Bischofswappens seit 1286.

Der Ismaninger „Eiffelturm“, ein hölzerner Sendemast im Moos, wird zum Spiegelbild der politischen Entwicklung…

Der Sender im Moos

1932 Sender Ismaning. Foto Gemeindearchiv

Der Blick ins Moos war lange Zeit bestimmt vom Sendeturm des Bayerischen Rundfunks. Der Holzbau, der mit Antenne eine Höhe von 163 Metern erreichte, erinnerte an den Pariser Eiffelturm und war das charakteristisches Wahrzeichen der Sendeanlage. Obwohl es noch gelang, ihn als technisches Bauwerk unter Denkmalschutz zu stellen, wurde der markante Turm 1983 wegen Sicherheitsbedenken gesprengt und durch stählerne Sendemasten ersetzt.

Bereits 1923 nahm der erste deutsche Rundfunksender in Berlin seinen Betrieb auf. München folgte 1924. Doch erst die Errichtung von Nebensendern erlaubte eine flächendeckende Rundfunkversorgung. Im Frühjahr 1931 wurde daher mit dem Bau der Großsender-Anlage in Ismaning begonnen, zunächst mit zwei Holztürmen aus Kanadischer Pechkiefer von je 115 Metern Höhe. Bereits zwei Jahre später baute man beide wieder ab, um aus dem Material einen einzigen, sehr viel höheren Turm hochzuziehen. Zu Beginn der 40er Jahre wurde der Mittelwellensender um zwei Kurzwellen-Sendestellen erweitert, 1957 kam noch ein UKW-Sender hinzu.

Das NS-Regime nutzte die neue Rundfunk-Technik für ihre Propagandazwecke. Doch auch der Widerstand erkannte die Möglichkeiten des Radios. In den letzten Kriegstagen wurde der Sender Ismaning für kurze Zeit zum Zentrum des Widerstandes gegen Adolf Hitler. Am 28. April 1945 besetzte die „Freiheitsaktion Bayern“ (FAB) die Anlagen und verbreitete ihre „Proklamation an das bayerische Volk“. Darin rief sie zum Verzicht auf weitere Kampfmaßnahmen auf. So konnte die vollständige Zerstörung Münchens verhindert werden. Viele, die sich der Widerstandsgruppe anschossen, bezahlten diese Aktion jedoch mit ihrem Leben.

Kurz darauf erfolgte die Übernahme des Senders durch die Amerikaner. Am 25. Januar 1949 gingen die Anlagen in das Eigentum des Bayerischen Rundfunks über.

Ein Dorf wie viele andere…

1933 NS-Zeit. Aufmarsch vor dem Knabenschulhaus

Mit den Gleichschaltungsgesetzen im März und April 1933 und der Deutschen Gemeindeordnung von 1935 verloren die Gemeinden weitgehend ihre Selbstverwaltungsrechte. Nach den Reichstagswahlen am 5. März 1933 wurden die Gemeinde-, Kreis- und Bezirksräte sowie die Landtage neu gebildet, entsprechend der Zusammensetzung des Reichstags und ohne Berücksichtigung der auf die kommunistische Partei entfallenen Stimmen.

Obwohl es die Partei bereits seit 1921 gab, war vor den Reichstagswahlen vom März 1933 kein Mitglied der NSDAP im Ismaninger Gemeinderat vertreten. Die Zusammensetzung änderte sich mit dieser Wahl, nun waren sieben Gemeinderäte Angehörige der NSDAP, zunächst gab es auch noch drei Gemeinderäte der SPD. Ab Juni 1933 gehörten alle Gemeinderäte der NSDAP an. Bürgermeister von 1922 bis 1933 war der mit der Ehrenbürger-Würde ausgezeichnete Benno Hartl. Am 5. Mai 1933 musste er sein Amt an Korbinian Huber übergeben, der Mitglied der NSDAP und von kürzeren Phasen abgesehen zugleich auch Ortsgruppenleiter war. Huber blieb bis zur Kapitulation im Mai 1945 im Amt.

Wie im gesamten Reich wurden auch in Ismaning Vereine und Organisationen gleichgeschaltet, religiös geprägte (wie die Kolpingsfamilie) oder der SPD nahestehende (wie der „Arbeiter-Radfahrerverein Solidarität“) verboten. Zugleich bemühte sich die NSDAP darum, den Handwerkerstand aufzuwerten und ideologisch an sich zu binden. So bewegte sich am 22. Oktober 1933 ein Handwerker-Festumzug durch das Dorf, wie es ihn noch nie gegeben hatte. Jedes im Dorf ausgeübte Handwerk wurde auf einem geschmückten Wagen dargestellt und durch Zunftzeichen und Handwerkersprüche präsentiert. Dazu erschien eine Festschrift, die vom neu gegründeten Gewerbeverein Ismaning herausgegeben wurde und in der alle Handwerks- und Gewerbebetriebe inserieren konnten.

Auch die Bautätigkeit wurde von der NSDAP gefördert. 1937/38 entstand auf dem Schlossfeld zwischen Münchener Straße und Isarau eine Siedlung des Oberbayerischen Heimstättenwerks. Hierhin wurden u.a. Familien umgesiedelt, die für den Bau des KZs in Dachau oder der Trabrennbahn in Daglfing ihre Heimat aufgeben mussten. Für die NS-Jugendorganisationen entstand die Sporthalle im Hain, die später allerdings als Unterkunft für Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter diente, die als Arbeitskräfte auf den Bauernhöfen und in vielen Betrieben eingesetzt wurden.

Trotz aller Propaganda und versteckten Drohungen war aber die NS-Ideologie in Ismaning nicht so verwurzelt, wie es von der Partei gewünscht wurde: Nur etwa 156 NSDAP-Mitglieder, darunter 18 Frauen, wird man 1945 im Dorf unter den ca. 4.000 Einwohnern zählen. 1939 beklagte sich der Ortsgruppenleiter darüber, dass bei der wichtigen Maifeier die Gewerbetreibenden mit ihren Gehilfen völlig gefehlt hätten, von den Bauern hätten sich außer den führenden Personen nur einige jüngere beteiligt, „die älteren sind nicht zu haben“. Spätestens während des Zweiten Weltkriegs wandelte sich bei vielen Ismaningern die anfängliche Sympathie für die NS-Ideologie und ihr straff organisiertes System in Zweifel, Angst und Trauer. 270 junge Männer fielen an der Front oder galten als vermisst, mehr als 300 kamen in Kriegsgefangenschaft. Der Ort selbst blieb von den Kriegseinwirkungen weitgehend verschont, nur wenige Gebäude wurden beschädigt.

In den letzten Kriegstagen überschlugen sich auch in Ismaning die Ereignisse: Im April 1945 findet noch ein NS-Schulungsabend im „Deutschen Haus“ (Gasthof Hillebrand) statt. Am 28. April hört man im Radio den Aufruf der Freiheitsaktion Bayern, bei der Aktion am Ismaninger Sender ist aber niemand aus dem Ort beteiligt. Am 30. April sprengten deutschen Pioniere die Aschheimer Kanalbrücke in die Luft. Zwei Tage zuvor war bereits die Brücke nach Unterföhring zerstört worden; Ismaning war verkehrsmäßig weitgehend isoliert. Gleichzeitig schossen die Amerikaner von Garching herüber in Richtung Unterdorf und trafen die Papierfabrik. Im Dorf hielt man das für ein Warnsignal und handelte: auf dem Kirchturm wurde eine weiße Fahne befestigt. Als der örtliche Volkssturmführer sie gegen eine Hakenkreuzfahne austauschte, kam es zu einem weiteren Beschuss durch die Amerikaner. Wieder traute sich jemand, die weiße Fahne zu hissen, dieses Mal ohne Bedrohung durch die verbliebene NS-Obrigkeit. Am 1. Mai 1945 wird in Ismaning mit dem Einmarsch von 150 Amerikanern der Zweite Weltkrieg beendet.

Schon während des Zweiten Weltkrieges kamen Flüchtlinge und Münchner, die ihre Wohnung verloren hatten, auf der Suche nach Nahrung und einer Unterkunft nach Ismaning. 1946 nahm der Ort – zusätzlich zu seinen 4.600 Einwohnern – über 1.000 Heimatvertriebene, vorwiegend aus dem Sudetenland, auf. Dazu kamen weitere Flüchtlinge aus anderen Regionen. Viele blieben dauerhaft in Ismaning. Ihre Integration stellt ein schwieriges, aus heutiger Sicht aber gelungenes Kapitel der Ortsgeschichte dar. Die Straßennamen der Böhmerwaldsiedlung erinnern an die einstige Heimat.

Ein Stück Industriekultur – Die AGROB entwickelt sich zum größten Arbeitgeber im Ort…

1938 Ziegeleien Poschinger und AGROB

Von Berg am Laim im Süden bis Ismaning im Norden verläuft eine Lehmzunge. Die daraus gebrannten Ziegel bildeten im 19. Jahrhundert den Rohstoff für die Stadtentwicklung Münchens. Die Aktienziegelei München (später AGROB) wurde 1859 in München gegründet und schon wenige Jahre später zur AG umgewandelt. Mit mehreren Produktionsstätten war „die Aktie“ für lange Zeit die weitaus größte Ziegelei Münchens. 1938 begann die AGROB mit dem Bau eines Werks im Süden Ismanings, wo es seit 1921 bereits die Poschinger-Ziegelei gab.

Wie viele andere Ziegeleien musste auch die Ismaninger AGROB in der NS-Zeit Ziegel für den Bau des Reichparteitagsgeländes in Nürnberg liefern. In der Nachkriegszeit trat die Ziegelherstellung aber in den Hintergrund. Fliesen und Wandplatten erweiterten die Produktpalette. Zur Blütezeit waren 900 Männer und Frauen in der AGROB beschäftigt. Die Akkordarbeit in der Produktion war schwer, laut, staubig – und gut bezahlt. Schon früh warb man Arbeiter aus Italien an. Andere kamen täglich mit dem Fahrrad aus dem Erdinger Moos. Viele bauten in Ismaning ein Eigenheim, natürlich mit Baumaterial aus der AGROB.

Um 1960 wurde auch die Konzernleitung nach Ismaning verlegt. Anfang der 1970er Jahre betrieb man hier das modernste Wandplattenwerk Europas. Dann jedoch begann der Wandel: Teile der Herstellung wurden verlegt, die Produktion in Ismaning lief aus. Die 1980er Jahre brachten dann den Niedergang des Werkes. Schrittweise wurde es stillgelegt.

Ab 1993 entstand auf dem Gelände der „AGROB Medien- und Gewerbepark“ mit seiner reizvollen Mischung aus Neubauten und erhaltenen Ziegeleigebäuden. Heute werden in den erhaltenen Ziegeleigebäuden Radio- und Fernsehsendungen sowie Zeitschriften produziert.

1938 AGROB

Warum es in Ismaning bis 1959 keine Isar-Brücke gab, lesen Sie hier…

Über die Isar hinüber

1959 Isar Fähre

Bis ins 20. Jahrhundert gab es im Bereich der Ismaninger Flur keine feste Brücke nach Garching. Zur Zeit der Freisinger Fürstbischöfe bestand keine Notwenigkeit, ins „feindliche Ausland“, sprich: ins Herzogtum Bayern überzusetzen. Zudem verlief die Hauptverkehrsrichtung nordsüdlich, für eine Verbindung quer über die Isar gab es aus Sicht der Obrigkeit keinen Bedarf. Zudem war die Isar vor ihrer Regulierung an vielen Stellen so seicht, dass man die meiste Zeit des Jahres zu Fuß hindurch waten konnte – oder sich von Tagelöhnern oder Fischerknechten gegen ein Trinkgeld bequem über den Fluss tragen ließ.

Gleichwohl errichtete man zu allen Zeiten Stege und kleine Brücken über die Quellbäche und zu den Kiesbänken. Zwischen 1689 und 1695 gab es sogar eine stabile Brücke über die Isar zum Transport des Lehms für die Ziegel zum Bau des Schleißheimer Schlosses. Sie durfte allerdings nur von den fürstlichen Transportwägen benutzt werden. Ansonsten blieb sie versperrt – wie auch weitere temporäre Brücken, die meist militärischen Zwecken dienten.

Nachdem die Regulierung der Isar zu einem deutlichen Ansteigen des Wasserpegels geführt hatte, waren die alten Furten unpassierbar geworden. So richtete man ab 1877 einen Fährbetrieb zwischen Ismaning und Garching ein. Der Fischer Johann Lupperger übernahm zunächst diesen Dienst und bekam dafür von der Gemeinde jährlich eine kleine Summe als Entschädigung. Ab 1886 querte die Fähre nach einem festen Fahrplan die Isar. 1921 übernahm die Familie Huber den Fährdienst und errichtete das kleine Wohnhaus direkt an der Fähre. Nun gab es keine festen Fahrzeiten mehr, sondern man konnte die Fähre jederzeit mit einer Glocke anfordern.

1959, mit Bau der Bundesstraße 471 und der Dr. Hecker-Brücke zwischen Ismaning und Garching, wurde die Fähre überflüssig. Am 30. Mai 1960 stellte Josef Huber den Betrieb daher wegen Unrentabilität ein.

Wann aus der Lokalbahn die S-Bahn wurde, erfahren Sie hier…

Die Vorortbahn wird zur S-Bahn

1972 S-Bahn. Postkarte um 1975

Nachdem im August 1969 die Entscheidung für den neuen Großflughafen im Erdinger Moos gefallen war, wurde kurz darauf beschlossen, die bestehende Bahnlinie zur S-Bahn auszubauen und bis zum Flughafen zu verlängern. Obwohl sich der Flughafenbau verzögerte, hielt man am Ausbau der S-Bahn-Strecke zunächst bis nach Ismaning fest.

Zwar war der offizielle Start der Münchner S-Bahn bereits am 28.4.1972, rechtzeitig zu den Olympischen Spielen. Doch standen zunächst nicht genügend Triebwagen zur Verfügung, um auch die Ismaninger Linie in Betrieb zu nehmen. Erst am 1. Oktober 1973 war es dann aber soweit: der Personenverkehr nach Ismaning wurde in das Streckennetzes des Münchner Verkehrsverbundes MVV eingegliedert. Mit Beginn des Winterfahrplans 1973 konnte die Linie S 3 über den Ostbahnhof hinaus nach Ismaning verlängert werden und ersetzte nun die alten Vorortzüge. Seit der Eröffnung des neuen Flughafens am 16. Mai 1992 ist es die Linie S8.

Ismaning überschreitet 1974 die 10.000 Einwohner…

Bevölkerungszahlen

Das Wachstum Ismanings begann bereits kurz vor 1900. Die größte Landgemeinde im „Bezirksamt München I“ (heute Landkreis München) hatte zu dieser Zeit gut 1.300 Einwohner, zwei Schulen, ein Elektrizitätswerk, eine kleine Industrie und ein reges gesellschaftliches Leben. Viele Vereinsgründungen fallen in die Zeit bis zum Ersten Weltkrieg, auch die Ortsvereine der politischen Parteien schlossen sich zusammen.

Während sich die Fläche des Ortes kaum veränderte, nahm die Bevölkerung stetig zu. Um 1930 hatte der Ort ca. 3.000 Einwohner. Bis 1950 stieg die Zahl, u.a. durch die Ansiedlung von über 1.000 Heimatvertriebenen, auf etwa 5.000 an und verdoppelte sich innerhalb der nächsten 20 Jahre. Die 10.000er-Grenze wurde 1974 überschritten. Heute leben in Ismaning bereits über 16.500 Einwohner.

Die Gründe für dieses Wachstum sind vielfältig. Einer davon ist die Nähe zur Landeshauptstadt München sowie zum Münchner Flughafen und die damit verbundene günstige Verkehrsanbindung. Aber auch die hervorragende Infrastruktur der Gemeinde mit einem breiten Spektrum an Kindergärten, Schulen, Vereinen, Sport- und Kultureinrichtungen trägt zur hohen Lebensqualität bei.

Ein Jubiläumsjahr, das für jeden etwas zu bieten hatte…

Ein ganzes Jahr feierte Ismaning sein Ortsjubiläum. Höhepunkt der vielen Veranstaltungen war das Dorffest mit dem historischen Festumzug. 1200 Teilnehmern stellten in 70 Bildern Ereignisse aus der Ismaninger Geschichte dar.